Diagnostik

Was gehört alles zu einer Glaukomdiagnostik?

Die Glaukomdiagnostik veranlasst grundsätzlich der AA selbst. Dies hier ist nur eine Aufzählung an möglichen Diagnostikmöglichkeiten.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren AA.

Applanationstonometrie

Die beste und zuverlässigste Art den Augeninnendruck zu messen ist im Moment die Goldmann-Applanationstonometrie:

Die Messung ergibt sich aus der Kraft, die aufgewendet werden muss, um eine runde Fläche (ø3.06mm) der Hornhaut „plattzudrücken“. Dazu wird ein gelb angefärbtes Lokalanästhetikum ins Auge getropft. Bei der Messung muss der AA zwei Halbkreise zusammenfügen. Dann kann der Druck in mmHg abgelesen werden.

Eine weitere Methode ist die Drucklufttonometrie, die sog. Non-Contact-Tonometrie:

Mit einem Druckluftstoß ins Auge wird der Druck gemessen. Hierbei entstehen aber sehr oft Messfehler. Somit ergibt die Non-Contact-Tonometrie oft keine zuverlässigen Druckwerte.

Stand: 03/2021

Die Spaltlampe als augenärztliches Untersuchungsgerät wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt. Die Untersuchung mit der Spaltlampe gilt als eines der wichtigsten diagnostischen Verfahren in der Augenheilkunde.

Mit der Spaltlampe kann der Augenarzt die vorderen und hinteren Augenabschnitte untersuchen. Das Licht aus der Lichtquelle der Spaltlampe wird als spaltförmiger, senkrechter Lichtstrahl gebündelt und kann dann in variabler Breite auf das Auge projiziert werden. Dabei sitzt der Patient dem Augenarzt gegenüber.

Im vorderen Augenabschnitt werden die Hornhaut, Pupille, Iris, Linse, Zonulafasern und der Ziliarmuskel beurteilt, im hinteren Augenabschnitt werden der Glaskörper, die Netzhaut, Makula, Papille/Sehnerv, Gefäße, Aderhaut und die Lederhaut untersucht.

Durch den Einsatz des gebündelten Lichtstrahles und durch die Vergrößerung der Augenstrukturen sind die Untersuchung und die Beurteilung pathologischer Veränderungen möglich.

Für die Beurteilung bestimmter Augenabschnitte ist eine Erweiterung der Pupille erforderlich, um dann in dieser Mydriasis eine bessere Einsicht ins Auge zu ermöglichen. Dies ist z. B. bei einer Netzhautuntersuchung erforderlich.

Die Spaltlampe kommt auch bei augenärztlichen Operationen und bei der applanatorischen Druckmessung des Augeninnendrucks zum Einsatz.

Stand: 09/2026

Man versucht bei der Kammerwinkelspiegelung mit Hilfe eines Kontaktglases „um die Ecke“ ins Auge zu schauen, um den Kammerwinkel genau betrachten zu können.

Dazu wird ein Tropfen Lokalanästhetikum ins Auge getropft. Auf das Kontaktglas wird ein Tropfen Kontaktgel gegeben und das dann auf’s Auge gelegt.

 

Der Kammerwinkel wird eingeteilt in Grad Shaffer:

Grad 0: verschlossener Kammerwinkel

Grad I: sehr enger Kammerwinkel, sehr wahrscheinlicher Verschluss

Grad II: das Trabekelwerk ist sichtbar; mäßig enger Kammerwinkel, Verschluss möglich

Grad III: offener Kammerwinkel, unwahrscheinlicher Verschluss

Grad IV:  sehr weiter Kammerwinkel, Verschluss unmöglich

Stand: 03/2021

Die Perimetrie ist in der Augenheilkunde die systematische Vermessung des Gesichtsfeldes

Mit dieser Untersuchung werden die Grenzen des Gesichtsfelds bestimmt.

Während dieser Untersuchung werden Lichtpunkte aktiviert, die mal heller, mal dunkler zu sehen sind. Der Patient fixiert während dieser Untersuchung einen fixen Punkt und bestätigt durch Drücken eines Knopfes, dass er die aufblinkenden Lichtpunkte wahrgenommen hat. Das Auge, welches die Untersuchung gerade nicht macht, ist mit einer Augenklappe abgedeckt.

Mit diesem Verfahren können Gesichtsfeldausfälle erkannt werden. Sog. Skotome, also Ausfälle, beginnen bei einem Glaukom meist im nasalen Bereich. Das Sehen verringert sich bei fortschreitendem Schaden von außen nach innen.

Ein Glaukompatient bemerkt Gesichtsfeldausfälle selbst erst recht spät. Dann sind mindestens schon 30-40% der Sehnerven zerstört. Bis dahin kann das Gehirn fehlende Bildteile ersetzen.

Eine Perimetrie gehört also zur Glaukomdiagnostik auf jeden Fall dazu! Weiter hilft sie auch bei der Überwachung, ob ein Glaukom fortschreitet oder nicht.

Ist eine Gesichtsfelduntersuchung im Befund auffällig, muss eine weitere, eingehendere Diagnostik erfolgen.

Es empfiehlt sich immer ausgeschlafen und möglichst morgens eine Perimetrie durchführen. Müdigkeit, aber auch übermäßige Nervosität können das Ergebnis beeinflussen und falsch auffällig erscheinen lassen. Hat man Probleme und der Befund ist auffällig, sollte man mit dem Augenarzt darüber sprechen, um die Untersuchung ggf. zu wiederholen.

Stand: 03/2021

Die Dicke der Hornhaut:

Die Pachymetrie ist die Hornhautdickemessung. Die Dicke der Hornhaut ist für eine genaue und individuelle Bewertung des gemessenen Augeninnendrucks sehr wichtig.

Je nach Dicke der Hornhaut wird der gemessene Augeninnendruck korrigiert. Das erfolgt sehr oft nach der sog. „Dresdner Korrekturtabelle“. Bei einer dickeren Hornhaut wird der gemessene Druck also nach unten korrigiert, d. h. der Druck ist dann niedriger, als er mit dem Tonometer gemessen wurde.

Ist die Hornhaut dünn, dann wird das Ergebnis der Druckmessung erhöht.

Hier der Link zur Korrekturtabelle:

http://augen.uniklinikum-dresden.de/seite.asp?ID=150

Die Pachymetrie wird mit dem Optischen Kohärenz-Pachymeter ( OCP) durchgeführt. Dabei wird die Hornhautdicke ohne Berührung und ohne lokale Anästhesie per Laser gemessen. Dieses Verfahren ist also für Patienten sehr genau, angenehm und völlig schmerzfrei.

Erst in den letzten Jahren hat die Bedeutung der Hornhautdicke in der Glaukomdiagnostik und –behandlung an Wichtigkeit dazu gewonnen. Vor einigen Jahren noch ging man davon aus, dass nur der Augeninnendruck eine Rolle spielt. Heute weiß man, dass auch Faktoren wie die Hornhautdicke und die Durchblutung eine große Rolle spielen. Die Pachymetrie gehört heute also zu den Standarduntersuchungen bei der Glaukomdiagnostik dazu.

Stand: 03/2021

HRT: Heidelberg-Retina-Tomograph

Gerät für die Laser-Scanning-Tomographie ( bildhafte Darstellung eines Gewebes durch Abtastung mit einem Laserstrahl…. in diesem Fall jetzt der Sehnerven)

Das HRT basiert auf dem Prinzip der so genannten konfokalen Laser-Scanning-Tomographie. Durch einen völlig ungefährlichen Laserstrahl wird das gewünschte Netzhautareal dreimal an bis zu 9,4 Millionen Stellen abgetastet und so ein Bild aufgenommen, das mit einem an das Gerät angeschlossenen Computer weiter verarbeitet wird. Diese dreidimensionale Darstellung der Kontur der Netzhaut erlaubt eine Analyse des Sehnervenkopfes und des Netzhautzentrums, der Makula.

GDx: Nerve Fiber Analyser

Gerät zur Analyse der Nervenfaserschichtdicke

Hierzu gehört nicht nur die Messung des Augeninnendrucks oder die Betrachtung des Sehnervenkopfes, sondern auch die genaue Beurteilung der Nervenfaserschicht am Augenhintergrund. Diese weist bei fortschreitender Glaukomerkrankung eine zunehmende Ausdünnung oder auch lokale Veränderungen auf. Eine präzise Beurteilung ist nur mit der Nervenfaserschichtuntersuchung, die auch Nervenfaser-Polarimetrie genannt wird, möglich.

Mit diesem Verfahren wird nicht nur die Oberflächenstruktur, sondern auch die Dicke der Nervenfaserschicht des Auges in dem Bereich der Netzhaut gemessen, in dem der Sehnerv aus dem Auge austritt.

Die HRT- und GDx-Untersuchungen dienen in erster Linie zur Verlaufskontrolle.

Minimale Veränderungen, die sich ergeben können, werden entdeckt, so dass man entsprechend reagieren kann.

Heute wird die GDx-Untersuchung nur noch selten angewendet.

OCP: Optisches Kohärenz-Pachymeter

Für die exakte, individuelle Bewertung des vom Augenarzt gemessenen Augeninnendrucks ist es wichtig, auch die Dicke der Hornhaut des Auges zu berücksichtigen. Abhängig von der vorhandenen Hornhautdicke werden die gemessenen Werte des Augeninnendrucks mit einem Korrekturfaktor versehen und bewertet.

So kann vermieden werden, dass Patienten unnötig behandelt werden. Die Messung der Hornhautdicke wird im AugenDiagnostikCenter mit einem für die Patienten besonders angenehmen Verfahren mit dem Optischen Kohärenz-Pachymeter (OCP) durchgeführt. Im Gegensatz zu einer Ultraschall-Pachymetrie wird hier die Hornhautdicke ohne Aufsetzen eines Messkopfes durchgeführt. Es ist deshalb bei einer Messung mit dem OCP nicht notwendig, die Augen lokal zu betäuben.

Die Messung erfolgt mittels nicht sichtbarem Laserlicht. Das hochpräzise Messgerät erzielt Messgenauigkeiten von bis zu einem Tausendstel Millimeter.

OCT: Optische Kohärenz Tomographie

Eine OCT-Untersuchung wird vom AA veranlasst, um sich einen genauen Einblick ins Augeninnere zu verschaffen. Das OCT liefert dynamische Informationen der Netzhaut in hoher Qualität und Auflösung, die eine genaue Beurteilung der Netzhautstrukturen ergeben. 0

Die Netzhautdicke, sowie Veränderungen der Netzhaut im Aufbau und der Binnenstruktur kann genau erfasst werden, wobei bei der Glaukomerkrankung der Augenmerk auf der Nervenfaserdicke liegt. Diese Untersuchung ist völlig schmerzfrei. Diese Untersuchung dient der Verlaufskontrolle.

Stand: 03/2021

Um einen Überblick über das Verändern des Augeninndrucks zu bekommen, kann man Druckprofile erstellen.

Druckprofile:

Ein Tagedruckprofil wird in der Regel beim Hausaugenarzt durchgeführt. Der Augenarzt misst den Druck zu verschiedenen Tageszeiten. Meist legt der Augenarzt dafür die Messzeiten um 8.00 Uhr, 12.00 Uhr, 16.00 Uhr und 18 Uhr fest. Bei diesem Druckprofil kann man erkennen, ob und wie sehr der Augendruck sich, über den Tag verteilt, verändert. Sog. Druckspitzen, also Zeiten, zu denen der Druck nach oben geht, können erkannt und somit auch die Therapie optimiert werden.

24 – h – Profile:

Ein 24 – h – Profil wird in einer Augenklinik mit Glaukomabteilung durchgeführt. Der Druck wird zu verschiedenen Tageszeiten gemessen. Dazu kommt hier dann Liegendmessungen um Mitternacht und optimalerweise noch ein weiteres Mal in der Nacht. Leider machen diese tiefen Nachtmessungen nicht mehr alle Kliniken. Wichtig sind die Messungen nachts im Liegen. Hierzu kommt der Augenarzt ans Bett und misst den Druck mit einem mobilen Tonometer im Liegen. Stehen die Patienten nachts dazu auf, sind die Messwerte schon nicht mehr identisch mit den Werten, die im Liegen vorhanden sind.

Bei manchen Patienten ist es so, dass der Druck nachts am höchsten ist. Nimmt man diese Messungen nicht vor, dann kann man auch nicht wissen, dass die Druckspitze nachts auftritt. So könnte eine fortschreitende Schädigung entstehen, ohne dass man den eigentlichen Grund dafür kennt.

Im optimalen Fall schwankt der AID nicht mehr als 5mmHg in 24 h.

24 – h – Blutdruckmessung:

Heute weiß man, dass nicht nur der Augeninnendruck wichtig ist bei der Glaukomdiagnostik, sondern auch der Blutdruck. Sinkt der Blutdruck zu sehr ab, ist auch die Sauerstoffversorgung des Sehnervs nicht mehr optimal.

Wenn ein Glaukompatient also sowieso schon einen niedrigen Blutdruck hat, dann ist es wichtig, dass ein 24 – h – Blutdruckprofil erstellt wird. Hierfür bekommt der Glaukompatient ein Gerät für 24h angehängt. Die Messungen erfolgen in bestimmten Intervallen. Eben auch nachts.

Aus dem Befund kann der Arzt dann erkennen, ob und wie sehr der Blutdruck nachts absinkt und ob eventuell sogar Handlungsbedarf besteht, so dass der Blutdruck nachts stabiler bleibt.

ACHTUNG: Nicht jeder Glaukompatient erleidet durch einen niedrigen Blutdruck Schädigungen am Sehnerv!

Stand: 03/2021