Der Druck muss runter...

Ziel der Augentropftherapie ist es, den Augendruck soweit zu senken, dass kein weiterer Schaden am Sehnerv entstehen kann und den Druck möglichst nicht über den Zieldruck ( Zieldruck= maximaler Augendruck, damit kein weiterer Schaden entsteht, legt der behandelnde AA fest!) steigen zu lassen.

Es gibt viele verschiedene Sorten von Augentropfen. Eigentlich bekommt man nur durch ausprobieren heraus, welche Augentropfen für Jeden am besten verträglich sind und den Druck am effektivsten senken. Manchmal muss man da große Geduld aufbringen.

Wenn der Tropfen in den Bindehautsack eingebracht ist, empfiehlt es sich, den Tränenkanal mit dem Zeigefinger für ca. 1 Minute leicht zuzudrücken. Somit sollen die systemischen ( den Körper betreffend ) Nebenwirkungen verhindert , bzw. reduziert werden.

Treten Probleme, wie z. B. Unverträglichkeit auf, bitte unbedingt Rücksprache mit dem Augenarzt halten!

Betablocker:

Der bekannteste Wirkstoff ist hier Timolol.

Betablocker reduzieren die Kammerwasserproduktion und werden 1-2 x täglich getropft. Hierzu gehören z. B.: Tim-Ophtal, Betamann, Timo-Comod, Vistagan u. a..

Die Wirkdauer beträgt 12-24 Stunden und die Drucksenkung beträgt ca. 20-25%. Mit Betablockern gibt es schon lange Jahre gute Erfahrungen. Vorsichtig sollte man sein bei niedrigem Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, Bronchitis.

 

Carboanhydrasehemmer:

Wirkstoffe: Brinzolamid, Dorzolamid

Reduzieren die Kammerwasserproduktion und fördern die Durchblutung und werden 2-3 x täglich getropft. Hierzu gehören z. B.: Azopt, Trusopt oder in Kombination mit Betablockern als Azarga oder Cosopt. Die Wirkdauer beträgt 8-12 Stunden und die Drucksenkung beträgt ca. 15-25%. Patienten, die Hautprobleme haben und zu Ekzemen neigen, berichteten gelegentlich über Ekzembildungen.

 

Prostaglandin-Analoga:

Wirkstoffe: Bimatoprost, Latanoprost, Tafluprost, Travoprost

Verbessern den Kammerwasserabfluss und werden 1 x täglich getropft. Hierzu gehören z. B.:  Xalatan, Taflotan, Travatan oder in Kombination mit Betablockern als Duotrav, Ganfort, Xalacom. Die Wirkdauer beträgt 24 Stunden und die Drucksenkung beträgt ca. 25-35%.

Eine kleine Untergruppe hier ist der Wirkstoff Bimatoprost (Lumigan), welcher zwar zur Gruppe der Prostaglanin-Analoga gehört, aber genaugenommen eben eine kleine Untergruppe bildet, die sich Prostamid nennt. Über verstärktes Wimpernwachstum wurde berichtet. Ebenso kann sich die Irisfarbe und die Hautfarbe um die Augen herum verändern. Weiter mögliche Nebenwirkungen sind bitte dem Beipackzettel zu entnehmen.

 

Sympatho-/Parasympathomimetika:

Wirkstoffe: Miotika, Cholinergika

Verbessern den Kammerwasserabfluss und werden 3-4 x täglich getropft. Hierzu gehören z. B.: Pilocarpin, Carbachol oder in Kombination mit Betablockern auch als Fotil u. a.. Die Wirkdauer beträgt 6-8 Stunden und die Drucksenkung beträgt ca. 20-25%. Oft tritt eine verstärkte Verengung der Pupillen auf und dadurch können starke Kopfschmerzen ausgelöst werden.

 

Alpha-2-Agonisten:

Wirkstoffe: Brimonidin, Clonidin

Verringern die Kammerwasserproduktion und fördern den Abfluss und werden 2-3 x täglich getropft. Hierzu gehören z. B.: Alphagan, Clonid-Ophtal, Isoglaucon oder auch in Kombination mit Betablockern als Combigan. Die Wirkdauer beträgt 8-12 Stunden und die Drucksenkung beträgt 20-25%. Oftmals tritt eine verstärkte Müdigkeit auf, eine starke Trockenheit im Mund oder die Patienten stehen neben sich.

Teilweise sind die Augentropfen (AT) auch ohne Konservierungsmittel zur verfügbar. Diese sind z. B. Taflotan sine, Clonid-Ophtal sine, Timo-EDO Vistagan o. k., Timo-Comod, Trusopt S, Cosopt S, Ganfort UD, Lumigan UD, Monoprost u. a..

Grundsätzlich sind AT mit der Beschreibung “sine”, – “EDO”, – “o. k.“ oder im „Comod“-System ohne Konservierungsmittel erhältlich. Im Zweifel bitte im Beipackzettel lesen oder den Arzt/Apotheker fragen.

Weitere Hinweise siehe “Lagerungshinweise für Augentropfen”

Es werden immer mehr sog. Generika von den Firmen entwickelt. Generika sind Augentropfen, die den gleichen Wirkstoff wie das Originalprodukt haben, aber von anderen Firmen, nach Ablauf des Patentschutzes, nachproduziert werden dürfen.

Sie können anhand der Wirkstoffliste oben nachlesen, zu welcher Gruppe Ihre Augentropfen gehören und sie dann so zuordnen.

Wichtig ist, dass Sie den Augenarzt über Vorerkrankungen informieren und auch über Medikamente, die Sie einnehmen. Es gibt Medikamente, die man nicht miteinander kombinieren darf. Dies gilt natürlich auch für Augentropfen.

Ebenso ist es wichtig, dass Sie den Hausarzt darüber informieren, welche Augentropfen Sie zur Behandlung Ihres Glaukoms tropfen.

Stand 07/2015

Grundsätzlich empfiehlt es sich immer, den Beipackzettel (BPZ) zu lesen, da dort wichtige Angaben zu den Tropfen stehen. Das empfiehlt sich gerade auch für die Generika-Tropfen, die es inzwischen vielfältig gibt und die hier nicht alle einzeln aufgeführt werden können. Da empfiehlt es sich einen Wirkstoffvergleich im jeweiligen BPZ zu machen.

Diese Augentropfenliste stellt nur einen Auszug der Augentropfen dar, die es auf dem Markt gibt. Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Außerdem stellt die Reihenfolge der Auflistung keinerlei Wertung dar und ist völlig neutral zu betrachten!

Genannte Produkte sind eingetragene Warenzeichen!

Die Anwendung der drucksenkenden Augentropfen verursachen leider oft ein Trockenes Auge, gerade, wenn die Anwendung schon über einen längeren Zeitraum erfolgt.

Zur Behandlung eines Trockenen Auges oder einfach zur Pflege gibt es vielfältige freiverkäufliche Produkte. Welche Tropfen die beste Pflege und bringt, ist individuell und muss ausprobiert werden.

Diese Augentropfenliste stellt nur einen Auszug der Benetzungstropfen dar, die es auf dem Markt gibt. Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Außerdem stellt die Reihenfolge der Auflistung keinerlei Wertung dar und ist völlig neutral zu betrachten!

Genannte Produkte sind eingetragene Warenzeichen!

Die Argon – Laser – Trabekuloplastik (ALT):

Die ALT ist die sogenannte Argon-Laser-Trabekuloplastik (ALT), mit welcher durch etwa 50 bis 100 kleinste Spots von 50 Micron im Kammerwinkel kleine Läsionen gesetzt werden, welche den Abfluss verbessern sollen.

Über die Wirkungsmechanismen gibt es die unterschiedlichsten Vorstellungen, sicherlich werden chemische Prozesse ausgelöst, es gibt eine mechanische Vergrößerung der Maschen des Trabekelwerkes, man stellt sich auch vor, dass die «schlafenden Zellen» wieder erwachen und aktiv zum Reinigungsprozess und zur Kontraktion angeregt werden.

Die ALT wird heute kaum noch angewendet.

 

Die Selektive – Laser – Trabekuloplastik (SLT):

Die am häufigsten angewendete Laser-Methode ist die Selektive Trabekuloplastik (SLT) , welche mit einem speziellen YAG-Laser durchgeführt wird. Die Effekte sind mit 400 Micron wesentlich grösser, es findet aber nur eine Stimulation über das Pigment statt.

Der Effekt hält deshalb nicht sehr lange an, dafür kann die Behandlung  wiederholt werden.

 

Die YAG – Laser – Iridotomie:

Den YAG-Laser brauchen wir auch für die Iridotomie, welche mit dieser Methode ohne Eröffnung des Auges und in der Regel praktisch unblutig durchgeführt werden kann. Die Anfertigung eines Loches in die Iris brauchen wir nicht mehr sehr oft, muss aber bei verschlossenem oder äußerst engem Kammerwinkel und enger Vorderkammer durchgeführt werden.

In der Regel braucht es auch im Glaukomanfall eine Iridotomie, bei trüben Medien kann sie aber nicht immer mit dem Laser durchgeführt werden.

Beim Pigmentdispersionsglaukom soll durch die Iridotomie eine Rücklagerung der Iris erreicht werden. Dadurch soll das Reiben der Iris Pigmentes an den Zonulafasern vermieden werden (weil der Druck in der Vorderkammer höher ist als in der Hinterkammer). In den letzten Jahren wurde deshalb auch hier mit Erfolg eine Iridotomie durchgeführt.

 

Die Excimer – Laser Trabekulotomie (ELT):

Bei der Excimer-Laser Trabekulotomie (ELT) wird über eine winzige Laserfaser direkt auf den Kammerwinkel (Trabekelmaschenwerk) Laserherde appliziert. Diese führen zu einer Verbindung zum Schlemmschen Kanal (Abflusskanal). Im Ergebnis kann der Abflusswiderstand auf natürlichem Weg verringert werden und der Augeninnendruck sinkt.

Hier wird über eine winzige Laserfaser direkt im Kammerwinkel der Schlemmsche Kanal eröffnet, so dass die natürlichen Abflusswege des Auges für das Kammerwasser (Augenwasser) wieder vorhanden sind.
Auch die ELT wird heutzutage kaum noch durchgeführt (abgelöst durch die SLT).

 

Die Zyklo – Photokoagulation (CPC/CPK):

Bei dem CPC/CPK – Laser handelt es sich um einen Diodenlaser, der zur Behandlung des Glaukoms eingesetzt werden kann. Die Laserung kann unter lokaler Betäubung erfolgen. Oft wird aber der Eingriff in Vollnarkose durchgeführt, da der Eingriff schmerzhaft sein kann.

Zur Senkung des Augeninnendrucks über eine Hemmung der Kammerwasserproduktion, wenn weder Medikamente (Augentropfen) noch die verschiedenen Laserverfahren eine ausreichende Senkung des Augeninnendrucks herbeiführen, kommen chirurgische, drucksenkende Eingriffe zur Anwendung ( siehe unter chirurgische Operationen).

Stand: 03/2021

Chirurgische Operationen kommen in der Regel erst in Betracht, wenn die anderen Behandlungsmethoden, also Tropftherapie und Laser – Operationen beim Glaukom ausgeschöpft sind.

Neue Erkenntnisse haben aber auch ergeben, dass es durchaus Fälle gibt, wo man eine Op einer Tropftherapie vorzieht. Das ist sehr individuell zu sehen und eine Entscheidung des behandelnden Arztes und des Patienten.

Man unterscheidet folgende chirurgische Operationen:

Ziel bei jedem dieser Eingriffe ist es, die Senkung des Augeninnendrucks zu erreichen:

 

Iridektomie:

Dieser Eingriff zählt zu den ältesten antiglaukomatösen Eingriffen. Ein kleines dreieckiges Stück der Iris (Regenbogenhaut) wird dabei herausgeschnitten. Der Eingriff ist sehr wirkungsvoll bei einem Winkelblock-Glaukom und verhindert weitere Glaukomanfälle dauerhaft.

 

Trabekulektomie/Goniotrepanation:

Der auch als „fistulierende Operation“ bezeichnete chirurgische Eingriff ist heutzutage eine Standardoperation bei dem chronischen oder Offenwinkelglaukom. Es wird eine neue Abflussmöglichkeit geschaffen, wodurch das Kammerwasser aus dem Augeninneren unter ein schützendes Lederhautläppchen und von dort dann unter die Bindehaut laufen kann.

 

Trabekulotomie:

Bei diesem chirurgischen Eingriff, der ebenfalls beim chronischen oder Offenwinkelglaukom zum Einsatz kommt, wird mit einer sehr komplizierten Operationstechnik versucht, die natürlichen Abflusswege des Kammerwassers durch das Trabekelwerk wieder durchgängig zu machen.

 

Kanaloplastik:

Eine neue, nicht perforierende Methode ist die Kanaloplastik. Während der Operation wird eine Viskokanalostomie vorgenommen. Ein Mikrokatheter mit einem Durchmesser von 200 μ wird verwendet, um den Schlemmschen-Kanal zu dehnen. Nach erfolgter Dilatation wird der Katheter wieder zurückgezogen und gleichzeitig damit ein Faden im Kanal platziert und straff geknüpft, um permanent Spannung auf das Trabekelmaschenwerk zu bringen.

 

Trabektom:

Beim Trabektom wird ein Teil des Trabekelwerkes minimalinvasiv entfernt. Dieses Verfahren ist sehr schonend, so dass ggf. zu einem späteren Zeitpunkt weitere Eingriffe (z. B. eine Trabekulektomie) kein Problem darstellen.

Weitere Informationen zu diesem seit 2009 in Deutschland verfügbarem OP-Verfahren finden Sie hier:

https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/07_kliniken/augen/pdf/papers/Jordan201 1Trabektom.pdf

Die Implantatchirurgie

Es gibt in der Glaukombehandlung auch die Möglichkeit Implantate zu verwenden. Das Prinzip von Implantaten ist die künstliche Ableitung des Kammerwassers.

Es gibt sog. Shunts, die aus einem Silikonschlauch bestehen, der in die Vorderkammer in das Auge eingeführt wird und einer Fixierungsplatte, um die sich das Filtrationsareal im Tenonraum bilden soll. Die Entwicklung in den letzten Jahren ist fortgeschritten.

Desweiteren gibt es sog. Stents, die Mini-Implantate sind und an verschiedenen Stellen im Auge platziert werden. Die Eingriffe, um solche Stents ins Auge zu bekommen, sind minimalinvasive Eingriffe.

Auch bei minimalinvasiven Eingriffen gibt es Risiken und Komplikationen, über die vor dem Eingriff aufgeklärt und gesprochen werden sollte.

Die Indikation für ein Implantat wir der Augenarzt ansprechen und mit dem Patienten besprechen.

Implantate gibt es z. B.:

  • Ahmed-Ventil
  • Baerveldt-Implantat

Auch hier schreitet die Weiterentwicklung voran. Neue Anwendung finden sog. Stents, die es verschiedentlich gibt. Weitere Informationen zu den Stents können Sie hier bekommen:

http://www.augenspiegel.com/zeitschrift.php/auge/blog/mikrostents-als-neue-therapieoption-bei-glaukom/

 

Der Cypass-Stent:

http://www.augenspiegel.com/zeitschrift.php/auge/blog/minimalinvasive-glaukomchirurgie-mit-dem-cypass-mikro-stent/

http://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0030-1270019

 

I-Stent:

Der istent inject ist ein Stent, der durch eine minimalinvasive Operations ins Auge gebracht werden kann. Er ist 0,33mm hoch und 60µg schwer und aus Titan. Der istent inject soll natürlich auch den Druck senken und stellt eine Verbindung der vorderen Augenkammer und dem natürlichen Abflussweg des Kammmerwassers, dem sog. Schlemm’schen Kanal, her. Mittels einem Einmalinjektor werden gleich zwei istent inject in das Trabekelwerk implantiert.

http://www.istent.de/was-15-de

 

XEN-Implantat:

Leider gibt es hierzu nur eine Infoseite auf Englisch:

http://www.aquesys.com/xen.aspx

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Augenarzt!